Verhalten - eine Folge der (Denk-) Haltung?Mentale Blockaden - 2/2

Mentale Muster sind Denkgewohnheiten. Denkgewohnheiten lösen menschliches Verhalten aus und unterliegen einer Haltung. Sind wir beispielsweise pessimistisch eingestellt, verhalten wir uns am ehesten abwartend oder ablehnend. Finden wir eine optimistische Haltung, so erwarten wir das Gute. Und es geht noch weiter; je nach innerer Erwartungshaltung suchen wir nach Bestätigung dessen, was wir erwarten. Möglich ist auch, dass wir dabei andere Fakten ausblenden und nur noch das (Positive oder Negative) wahrnehmen, was wir von Anfang an erwartet haben.

Führungskräfte- und Mitarbeiterverhalten sind also immer die Folge der (Geistes-) Haltungen und Einstellungen. Sind Verhaltensänderungen von Menschen in Unternehmen und Organisationen gewünscht, beispielsweise mehr unternehmerisches Handeln, Kostenbewusstsein, Ziel- und Ergebnisorientierung, bessere Zusammenarbeit, Kundenorientierung, etc., so ist es notwendig, die erforderlichen mentalen Voraussetzungen (Denkvoraussetzungen) zu schaffen.

Sehr häufig ist zu beobachten, dass der Versuch, Verhalten beispielsweise durch Belohnung oder Bestrafung nachhaltig zu korrigieren, kläglich scheitert. Da wird dann auch schon einmal zur Ermahnung oder zur Abmahnung gegriffen, um eine Verhaltensänderung zu bewirken. Da Verhalten letztlich eine Folge der Haltung ist, greift jeder Versuch der Verhaltenskonditionierung zu kurz und kommt einer versuchten „Abrichtung“ gleich. Man kuriert am Symptom, nicht an der Ursache. Gelingt es hingegen mentale Muster, also Einstellungen, erfolgreich zu verändern, so ist eine Verhaltensänderung eine automatische Folge. Man kann sich die vergebliche Mühe, Verhalten konditionieren zu wollen, sparen.

Mentale Blockaden überwinden

Um mentale Blockaden zu überwinden, ist es unumgänglich die Vorstellungskraft anzuregen, Fantasie zu entwickeln und über bestehende Rahmen hinaus denken zu lernen. Statt eine Haltung/Einstellung zu tadeln oder zu bestrafen, ist es notwendig, Fach- und Führungskräften zu helfen, den bestehenden Denkrahmen wirkungsvoll zu weiten. Dabei muss von demjenigen, der sich in einer Denkblockade befindet, zunächst einmal klar gemacht werden, dass es überhaupt andere Denkmöglichkeiten gibt. 

Die systemische Intervention zur Irritation von Denkblockaden verzichtet vollständig darauf, die vorhandenen, historisch gewachsenen Denkmuster zu tadeln oder deren Träger anzuprangern. Im Gegenteil, sie erkennt die angestammten mentalen Modelle und Muster in ihrem bisherigen Wertbeitrag für die Organisation an und würdigt sie. Gleichzeitig regt sie wirkungsvoll das Querdenken an. Eines von vielen sehr hilfreichen Mitteln professioneller systemischer Intervention ist das Aufzeigen von praktischen Beispielen aus anderen Organisationen, die völlig anders denken und handeln und erfolgreich sind. Eine andere Technik ist die so genannte paradoxe Intervention, bei welcher der Besitzer der Denkblockade bewusst überzogen dazu aufgefordert wird, bei seinem angestammten Denkmuster zu bleiben und dies bloß nicht zu ändern, obwohl der jetzige Rahmen zur Herstellung einer guten Lösung für vorhandene Probleme nicht mehr geeignet ist! Eben diese paradoxe Aufforderung führt den Besitzer der Blockade in die Suche nach einer neuen/erweiterten Lösung.

Alle Irritationsinstrumente der Organisationsentwicklung zur Überwindung von mentalen Blockaden in Organisationen haben eins gemeinsam: Es entsteht eine gewollte Irritation des Denkens, es kommt zur Verwirrung über bisherige Denkmuster. Genau diese Verwirrung ist notwendig, um die Gewissheit der eigenen Denk- und Deutungsmuster zu reduzieren und somit das innere Motiv zur Selbsterneuerung des Denkens auszulösen. Das Anregen der Fantasie liefert die notwendige Inspiration, die zur Erneuerung des Denkens dringend benötigt wird.

Autor: Ralf Juhre
Ralf Juhre ist leidenschaftlicher Verhaltenstrainer, Berater, Coach und anerkannter Experte für Führungskräfte- und Organisationsentwicklung. Potenzialentfaltung, Querdenken und Horizonterweiterung sind bei ihm Programm. Seit fast 30 Jahren ist er im In- und Ausland unterwegs, um destruktive Verhaltensweisen und mentale Blockaden in Organisationen aufzudecken sowie Veränderungsprozesse erfolgreich zu initiieren und zu begleiten. Mit Gründung der ingenior training & consulting GmbH entstand ein Systemhaus, das auf Führungskräfte- und Organisationsentwicklung sowie Sozialkompetenztraining für Ingenieure und Techniker spezialisiert ist. Ralf Juhre ist zudem Autor zahlreicher Fachbücher für Führungskräfte und Manager.

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